Zusammenfassung

Gesamteinsparung :Bis zu 2000 Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr (durch Vermeidung von Methanemissionen)
Technologietransfer :Aerobe Kompostierung von organischem Haushaltsmüll mit passiver Bambus-Belüftung
Lokale Umwelt :Verminderte Müllmengen und Müllkippen im öffentlichen Raum
Weitere Vorteile :Schaffung von Arbeitsplätzen; Verringerung der Wasser-, Luft- und Bodenverschmutzung; Reduziertes Gesundheitsrisiko; Stärkung der kommunalen Infrastruktur
Projektpartner :BORDA Bremen und BORDA South East Asia

Müllberge stellen indonesische Kommunen vor große Herausforderungen

Standorte der 15 Recyclingzentren auf der Insel Java.

Indonesien ist mit 240 Millionen Menschen eines der bevölkerungsreichsten Länder der Erde. Besonders in den größeren Städten, die seit den 1970er Jahren ein rasantes Bevölkerungswachstum erlebt haben, entstehen riesige Müllmengen, welche die Kommunen vor gewaltige Herausforderungen stellen. Viele der bestehenden Deponien sind mangelhaft und können die Müllmengen nur teilweise aufnehmen. Besonders in Randlagen großer Städte gibt es häufig keine geregelte Müllentsorgung, so dass der Abfall auch innerhalb von Siedlungen entsorgt wird und riesige freiliegende Müllkippen entstehen. Diese belasten Mensch und Umwelt aufgrund von Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung.

Bewohner nehmen Müllproblem selbst in die Hand

Gemeinsam mit der Entwicklungsorganisation BORDA (Bremen Overseas Research and Development Association) unterstützt atmosfair die Bewohner armer Stadtviertel in verschiedenen Großstädten auf der indonesischen Insel Java dabei, das Müllproblem selbst in die Hand zu nehmen. Nachbarschaftskomittees sammeln den Müll direkt bei den Haushalten ein und bringen ihn zu kleinen, selbst verwalteten Recyclinghöfen. Dort sortieren lokale Mitarbeiter die Abfälle. Wertstoffe werden weiterverkauft und tragen zur Finanzierung der Recyclinghöfe bei. Der organische Anteil wird kompostiert und als Dünger verwendet.

Aktuell sind 15 dieser Recyclingzentren in Betrieb, einige Dutzend zusätzlicher Zentren sind geplant. Die Anlagen sind unter dem Programm „KIPRAH“ zusammengefasst, eine Abkürzung für Kita Pro Sampah, was auf Bahasa Indonesisch „Wir pro Abfall“ bedeutet. Die Community-Based Projekte sollen die geringverdienenden Communities (v.a. auch Frauen) befähigen, aktiv an Prozessen zum Klimaschutz teilzuhaben, sich dabei aber auch ein Einkommen generieren zu können.

Klimaschutz: Kompost statt Methan

Organischer Müll, der vor Beginn des KIPRAH-Programms keine gesonderte Trennung oder Verwertung erfuhr, erzeugt durch seine Verfaulung das besonders schädliche Klimagas Methan. In den Recyclingzentren wird der organische Müll nun gezielt kompostiert. Die Kompostierungsmethode auf Bambusgestellen bewirkt, dass durch ausreichende Sauerstoffzufuhr kein Methan entstehen kann. Methan hat ein bis zu 25 höheres Treibhauspotential als CO2. Das bedeutet, dass Methan innerhalb der ersten 100 Jahre nach seiner Freisetzung 25-mal so stark zum Treibhauseffekt beiträgt wie ein Kilogramm CO2. Die Vermeidung von Methan ist daher ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung des Klimawandels.

atmosfair ist seit Ende 2009 am KIPRAH-Programm beteiligt; seit 2013 läuft ein standardisiertes Monitoringverfahren, um die Menge des reduzierten Methanausstoßes nach Gold Standard Kriterien zu ermitteln.

Dezentrale Lösungen für besseren Umweltschutz, Gesundheit und Arbeitsplätze

Die dezentrale Organisation der Recyclinganlagen dient als Vorreitermodell zur Lösung des Müllproblems in großen Städten, da es eine weitere Überlastung der oftmals riesigen Müllkippen verhindert und Wertstoffe zurückgewinnt. Der Aufbau und Betrieb der Recyclinghöfe schafft natürlich auch Arbeitsplätze. In jedem Recyclinghof gibt es mindestens 2 feste Mitarbeiter. Außerdem werden durch KIPRAH Fachkräfte im dezentralen Abfallmanagement geschult. Das Einsammeln, Recycling und die Kompostierung verhindert Gesundheitsgefährdungen für Mensch und Umwelt durch den ansonsten herumliegenden Müll. Die neuen kommunalen Infrastrukturen stärken darüber hinaus das Verantwortungsbewusstsein für lokale Umweltprobleme. BORDA arbeitet im KIPRAH-Programm eng mit den Lokalregierungen zusammen, die sich schon mehrfach dank der positiven Erfahrungen mit den Recyclinghöfen für Änderungen lokaler Gesetze im Müll-Management entschieden haben.

Aus Müll wird wieder Leben: Kompost als Dünger für Gemüseanbau und Grünflächen

Pro Recyclingzentrum und Monat können durchschnittlich 800kg Kompost generiert werden. Dieser wird i.d.R. an Nachbarn oder Bauern für den Gemüseanbau oder an die Lokalregierung zur Düngung von öffentlichen Grünanlagen verkauft. Damit kann ein Zusatzeinkommen von ca. 50€ pro Monat erreicht werden. Die Qualität des Komposts wird vom Landwirtschaftsministerium überprüft und bescheinigt.

Gelebte Umweltbildung: Das Bewusstsein rund um das Thema Müll muss früh geweckt werden

Seit einigen Jahren erklärt das Maskottchen „Uncle Dino“ den Kindern auf Java auf spielerische Weise, warum unsachgemäßer Umgang mit Haushaltsmüll eine Gefahr für Gesundheit und Umwelt darstellt. In Theaterstücken und Liedern erfahren die Kinder, wie Abfall gesammelt und getrennt werden sollte. In Bastelstunden können sich die Kinder auch an der Wiederverwendung von Plastik versuchen. So haben schon viele Schulklassen eigene „Vertical Gardens“ aus PET-Flaschen entstehen lassen. Um die Müllprobleme von morgen zu vermeiden, ist „Uncle Dino goes to school“ daher eine wichtige Teilkomponente des KIPRAH-Programms.

Partner

BORDA Deutschland/ BORDA South East Asia:

www.borda-net.org

Ihr Ansprechpartner bei atmosfair

Bernhard Ellmann
ÖBFD Klimaschutzprojekte
M.A. Philosophie
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