Warum unterstützt atmosfair keine Waldschutzprojekte?

atmosfair steht Waldprojekten grundsätzlich positiv gegenüber. Projekte, die bestehende Wälder sichern oder zur Aufforstung beitragen, können zum Klimaschutz beitragen. Waldprojekte über freiwillige CO₂-Kompensation zu finanzieren hält atmosfair aber nicht für den richtigen Ansatz, denn dabei sehen wir die folgenden Probleme:

1. Dauerhafte CO₂-Bindung und Leakage

Das Problem der Dauerhaftigkeit (Permanenz) ist bei Waldprojekten ungelöst. Ein Wald muss mindestens 50, wenn nicht 100 Jahre bestehen, um eine nennenswerte Klimaschutzwirkung auch dann noch zu haben, wenn der Wald danach wieder abgeholzt wird oder sonst wie verschwindet (z.B. Schädlingsbefall). Kein Projektbetreiber und kein Schutzsystem oder Klimaschutzstandard kann aber garantieren, in fünf Jahrzehnten noch zu existieren, gerade angesichts unsicherer Marktbedingungen für die CO₂-Kompensation (siehe unten). Gerade in den Entwicklungsländern bedarf der Wald in der Regel jedoch eines aktiven Schutzes, da dort häufig viele Parteien berechtigterweise um verschiedene Formen der Nutzung des vorhandenen Lands konkurrieren. Dieser Landnutzungsdruck wird in Zukunft wahrscheinlich eher zu- als abnehmen.

Ferner ist das Leakage-Problem ungelöst. Wenn Akteure oder andere Ursachen für Abholzung durch ein Waldprojekt nur in andere Waldteile außerhalb der Grenzen des Waldprojektes verlagert werden, dann entstehen zwar einerseits CO₂-Zertifikate im Projekt, aber Wald wird dennoch woanders abgeholzt. Es ist ungeklärt, wie potentielle Auswirkungen auf die Kohlenstoffbilanz jenseits der Projektgrenzen überhaupt erfasst werden können.

2. Unsicherer Markt für CO₂-Kompensation

Der Betreiber eines Waldprojektes hat insbesondere zu Beginn eine hohe Investitionssumme zu schultern. Aus diesem Grund schütten manche Systeme Wald-Zertifikate bereits zu Beginn der Projektlaufzeit aus („upfront Zertifikate“). Dieses Verfahren führt im Umkehrschluss jedoch dazu, dass CO₂-Kompensation eines geplanten zukünftigen Waldes bereits verkauft werden kann, obwohl die Bäume gerade erst gepflanzt wurden und noch kein CO₂ gebunden haben.

Außerdem unterliegt der Preis von CO₂-Kompensation hohen Marktschwankungen. Dabei ist nun schon seit 2008 ein stetiger Abwärtstrend zu verzeichnen. Dies stellt für langfristige Waldprojekte einen hohen Unsicherheitsfaktor dar. Ausbleibende Einnahmen können dazu führen, dass Projektbetreiber ihre Projekte nicht mehr sichern und im schlimmsten Fall noch nicht einmal regelmäßig die Baumbestände erfassen können.

3. Menschenrechtsverletzungen

Es gibt Beispiele dafür, dass Waldprojekte Menschenrechte in Entwicklungsländern einschränken, anstatt neue Einkunftsmöglichkeiten für Kleinbauern zu schaffen. So wurden Kleinbauern in Brasilien zugunsten eines Waldprojektes dazu gezwungen, ihren traditionellen Wanderfeldbau aufzugeben.

Studien zu Menschenrechtsverletzung

World Rainforest Movement: How REDD+ projects undermine peasant farming and real solutions to climate change

World Rainforest Movement: REDD moves from forests to landscapes