
atmosfair news September 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
die verheerenden Waldbrände in Frankreich erreichten diesen Sommer ein neues Niveau: Ihre Rauchwolken wuchsen auf zehn Kilometer Höhe – so groß, dass darin sogar Gewitter entstanden. 200.000 Menschen mussten die Gegend um Bordeaux verlassen, und es erforderte Unterstützung aus acht EU-Ländern, um die schweren Feuer einzudämmen. Dieser Sommer war damit Teil einer neuen Realität: Letztes Jahr vernichteten Feuer über eine Million Hektar Vegetationsfläche in der EU, fast doppelt so viel wie durchschnittlich in den letzten zwei Jahrzehnten. In Deutschland verbrannte sogar dreimal so viel Wald wie durchschnittlich jährlich seit 1990. Diese Feuer zerstören nicht nur Lebensräume und Biodiversität. Verbrennen Bäume, entweicht ihr gebundener Kohlenstoff wieder in die Atmosphäre.
Auch in Entwicklungsländern, in denen wir unsere Klimaschutzprojekte betreiben, sind Wälder bedroht – allerdings weniger durch Brände, sondern vor allem durch Ausweitung von Acker- und Weideflächen. Und in vielen Regionen dort sind Wälder bis heute wichtige Quellen für Brennstoffe.
Die EU führt Aufforstungsprogramme ein
Mit den Bränden ist Waldschutz wieder aktuell geworden. Die EU ist inzwischen aktiv geworden. Als Teil des Green Deals will sie bis 2030 drei Milliarden zusätzliche Bäume pflanzen. Dafür stellt der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) Gelder bereit. Allerdings müssten Pflanzer selbst aktiv werden, und mit bisher gerade einmal 40 Millionen Bäumen wird das Ziel voraussichtlich weit verfehlt.
Jetzt möchte die EU-Kommission zusätzlich privates Geld für Aufforstungen mobilisieren, über den freiwilligen Kohlenstoffmarkt. Mit der Carbon Removals and Carbon Farming (CRCF)-Verordnung ermöglicht die EU-Kommission Landbesitzern, Aufforstungen auf ihren Grundstücken als CO₂-Senken zertifizieren zu lassen. So können die Landwirte Geld von Unternehmen erhalten, die diese Zertifikate als freiwillige Klimaschutzmaßnahme kaufen. Aber wie geht die EU mit dem Risiko um, dass die gepflanzten Bäume eines Tages abbrennen und das gebundene CO₂ wieder ausstoßen?
Absicherung von Aufforstungs-Zertifikaten wird immer schwieriger
Diesen Aspekt berücksichtigt die neue Methodik für Carbon Farming-Zertifikate, welche die Europäische Kommission diesen Juli veröffentlicht hat. So gelten CO₂-Gutschriften, die Landwirte für die Anpflanzung von Bäumen erhalten können, nur fünf Jahre lang. Danach muss erneut überprüft werden, ob die Bäume noch stehen. Außerdem muss ein Puffer an zusätzlichen Zertifikaten aufgebaut oder die Waldbestände versichert werden. Allerdings kam eine Studie der University of Utah zu dem Schluss, dass die Puffer in den USA viel zu klein konzipiert wurden: Im Schnitt gingen sechsmal mehr Bäume verloren als ursprünglich erwartet. Und das Risiko für Waldbrände ist in den letzten Jahren so stark gestiegen, dass es immer schwieriger wird, Aufforstungsprojekte ausreichend zu versichern.
Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob Aufforstungs-Zertifikate nach CRCF-Verordnung attraktiv für Unternehmen sind, wenn sie alle 5 Jahre erneuert werden müssen. Die Erfahrung mit dem inzwischen abgelaufenen Clean Development Mechanism (CDM) der Vereinten Nationen zeigt, dass diese Regelung die Zertifikate zu Ladenhütern macht, es gab dort mit der gleichen 5-Jahresregelung kaum Nachfrage. Aus diesen Gründen halten wir diese CO₂-Gutschriften nicht für geeignet, um zerstörte Waldbestände in Europa wiederherzustellen, obwohl wir staatliche Wiederaufforstungs-Programme begrüßen.
atmosfair verzichtet auf Waldprojekte
Deshalb verzichten wir bei atmosfair weiterhin auf direkte Aufforstungs- oder Waldschutzprojekte und lassen bei unseren Klimaschutzprojekten nur Negativemissionen zertifizieren, wenn sie CO₂ nachweislich dauerhaft und damit über viele Jahrhunderte sicher im Boden binden. Das erreichen wir u.a. indem wir Pflanzenkohle aus Abfallbiomassen pyrolysieren und in den Boden einbringen, wo sie Nährstoffe und Wasser speichert und so die Bodenqualität verbessert.
Viele unserer Projekte schützen aber den Waldbestand, indem sie den Bedarf nach Brennholz reduzieren, wie unsere Kleinbiogasanlagen für Bauernhöfe in Nepal oder unsere effizienten Save 80-Öfen. Wir vertreiben sie jetzt in immer mehr Ländern Afrikas, seit kurzem auch in den ärmsten Regionen Mosambiks.
Auch in Malawi sind die natürlichen Waldbestände bedroht, unter anderem durch die Ziegelproduktion für eine wachsende Bevölkerung. Auch hier setzen wir an: Im Juni nahm unser erster effizienter Ziegelbrennofen den Betrieb auf. Mehr hierzu und zu unseren neuen Biogasprojekten lesen Sie in diesem Newsletter.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!
Herzlich,
Ihr Dietrich Brockhagen
Geschäftsführer atmosfair
P.S.: atmosfair wächst und sucht engagierte Mitarbeiter mit technischem Hintergrund für unsere Klimaschutzprojekte weltweit. Haben Sie Interesse? Hier finden Sie die aktuellen Stellenausschreibungen von atmosfair und Solarbelt.
Veranstaltungen:
Webinar für Unternehmen: Vom Klimaziel zur Umsetzung – mit Transitionsplan und Klimaschutzprojekten
Viele Unternehmen haben ambitionierte Klimaziele formuliert, doch die eigentliche Herausforderung liegt in der Umsetzung. In unserem gemeinsamen Webinar mit :response erfahren Sie, wie Sie die Klimaziele Ihres Unternehmens in einen operativen Transitionsplan übersetzen, der sowohl eigene Dekarbonisierung als auch freiwillige Klimaschutzfinanzierung umfasst.
Neues aus unseren Projekten:
Unser erster klimafreundlicher Ziegelbrennofen geht in Betrieb
Die Bevölkerung Malawis wächst – und benötigt Baumaterial für Häuser. Unser neuer Vertical Shaft Brick Kiln (VSBK) brennt Ziegel mit deutlich weniger Brennstoff als bisher. Und wir haben auch einen Ersatz für das bisher verwendete Holz gefunden.
atmosfair weitet Save 80-Vertrieb in Mosambik aus
Der Testlauf in der Provinz Niassa hat überzeugt: Zahlreiche Familien dort entschieden sich dafür, mit einem effizienten Ofen zu kochen. Deshalb weiten wir den Vertrieb im Norden des Landes aus, wo der Save 80 den Menschen besonders viel bringt.
Brasilien: grüner Strom aus Deponiegasen
In den Tiefen einer Mülldeponie am Rande von Rio de Janeiro entstehen große Mengen an Methan. Die brasilianische Firma Orizon stellt jetzt elektrische Energie daraus her – und geht mit uns noch einen Schritt weiter.
Lokale Interessen einbinden auf den Philippinen
atmosfair hat den Anspruch, dass auch die Menschen im Globalen Süden von Klimaschutzprojekten profitieren sollen. Damit dies gelingt, müssen alle Interessengruppen in die Planung eingebunden werden. So haben wir das auf den Philippinen gewährleistet:






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