atmosfair hat den Anspruch, dass auch die Menschen im Globalen Süden von Klimaschutzprojekten profitieren sollen. Damit dies gelingt, müssen Interessengruppen, die von Projekten betroffenen sind, in die Planung eingebunden werden. Für den Bau von Biogasanlagen auf den Philippinen hat atmosfair dies mittels formalisierten Local Stakeholder Consultations (LSCs) realisiert.
Anfang April in der Alterna Verde Corporation in San Pablo, in der Nähe der philippinischen Hauptstadt Manila. 40 Personen haben sich an diesem Tag eingefunden, um mehr über eine geplante Biogasanlage zu erfahren. Die Runde ist vielfältig: Vertreterinnen und Vertreter der lokalen Recycling-Kooperative, einer Umweltgruppe, der Lokalregierung und des Umweltministeriums sowie Anwohnerinnen und Anwohner.
atmosfair Projektmanagerin Julia Beerhues stellt das Projekt gemeinsam mit dem lokalen Partner REURASIA Management vor. Die Biogasanlage soll auf dem Gelände einer Abfallbehandlungsanlage entstehen und Platz in einem Container finden – eine innovative Technik, die Bau und Betrieb deutlich kostengünstiger und effizienter als bei konventionellen Anlagen machen soll. Im Anschluss können Fragen gestellt werden – bei Bedarf auch anonym auf Zetteln.

Raum für Sorgen und Fragen
„Auf den Philippinen habe ich ein großes Interesse der lokalen Community an den Projekten gesehen. Die Menschen stellten viele Fragen und gaben einiges an Rückmeldung. Wir planen unsere Projekte schon so, dass sie möglichst positive Effekte auf die Community und die direkte Umwelt haben. Dennoch ist die Konsultation wichtig. Auch wir können Aspekte übersehen, die dann noch eingearbeitet werden können,” so Beerhues.
Bei diesem Projekt gab es keinen Anlass zu größeren Änderungen. Dennoch hilft die Veranstaltung, Ängste und Bedenken aufzunehmen. So äußerten Vertreter der Recycling-Kooperative die Sorge, dass sie nach Fertigstellung der Biogasanlage ihre Arbeit verlieren könnten. Der Projetträger erläutert, dass nur ein kleiner Teil des Mülls aufbereitet werden soll – nämlich drei von insgesamt 500 Tonnen, die täglich auf die Deponie gebracht werden. Außerdem sei zu erwarten, dass das Abtrennen von Plastik und anderen nichtorganischen Stoffen sogar zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten schafft.

Klimaschutz durch Müllverwertung
Zwei Wochen vorher auf der Insel Cebu stand nicht die Sorge um Arbeitsplätze, sondern vor zu großen Müllmengen im Vordergrund. In der City of Naga will Cebu Eco-anaerobic Energy Inc. (CEEI) eine neue Biogasanlage auf einer Müllaufbereitungsanlage bauen. Auf der dortigen LSC äußerten Teilnehmende Bedenken, dass dadurch zu viele Mengen an Abfall an den Standort transportiert werden. Diese Bedenken ließen sich ebenfalls ausräumen: Die gesamte Anlage wird dank erweiterter Kapazitäten den zusätzlichen Müll zu Strom und Biodünger verarbeiten.
Solche LSCs schreibt das Kohlenstoffregister Gold Standard, das atmosfair die CO₂-Einsparungen bescheinigt, zwingend vor. Sie sollen verhindern, dass Klimaschutzprojekte negative Auswirkungen für die lokale Bevölkerung und die direkte Umwelt haben. Neben genauen Regeln, welche Personengruppen hierzu eingeladen werden müssen, sieht der Gold Standard einen Beschwerdemechanismus vor. Diesen können Vertreterinnen und Vertreter aller Interessengruppen über die gesamte Laufzeit eines Projektes nutzen. atmosfair führt diese LSCs jedoch nicht nur durch, weil sie vorgeschrieben sind. Sie begrüßt sie ausdrücklich als Instrument dafür, dass Menschen von den Klimaschutzprojekten stärker profitieren.
Das Protokoll der LSC in San Pablo finden Sie hier in englischer Sprache. Das Protokoll der LSC in Naga wird in Kürze auf der Webseite veröffentlicht.



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