
atmosfair news Juni 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
atmosfair ist auf der Zielgeraden der Umstellung seiner Klimaschutzprojekte auf die neuen UN-Regeln für Kompensationsprojekte. Der neue UN-Standard, der sogenannte Paris Agreement Crediting Mechanism (PACM), sieht eine Reihe von Neuerungen vor. Sie sollen für mehr Umweltintegrität sorgen und Missbrauch von Kompensationsprojekten vorbeugen. Die EU hatte Ende letzten Jahres beschlossen, dass die letzten Prozentpunkte ihrer langfristigen Klimaziele auch über solche Kompensationsprojekte erreicht werden können, Deutschland hatte dafür den Auftakt gemacht. Nun liegen die ersten UN-Regeln für die Zertifizierung und Anrechnung solcher Kompensationsprojekte vor. Und in der Tat: Diese Projekte werden jetzt mit den neuen Regeln deutlich strenger gemessen und bewertet als bisher, so dass aus Klimasicht die Schritte des UN-Prozesses in die richtige Richtung laufen.
Was sich gegenüber dem bisherigen Regelwerk alles ändert, beleuchten wir in einem eigenen Artikel genauer. Manche NGOs befürchten, dass bei der laufenden Transformation auch Projekte durchgewunken werden, die den Anforderungen des PACM eigentlich nicht genügen. Noch ist es allerdings zu früh, dies zu beurteilen.
Neue Qualität der freiwilligen CO₂-Kompensation von Unternehmen erreicht
atmosfair war von Anfang an aktiv in diesem Prozess und hat seine wichtigsten Projekte zur Umstellung auf den PACM angemeldet. Die neuen Anforderungen von UN-Seite sind erheblich. Einer der wichtigsten Schritte ist, dass das Projektland unseren Projekten nicht nur zustimmen muss, sondern auch deren CO₂-Minderungen sich nicht mehr selbst anrechnen darf, um Doppelzählungen zu vermeiden. Deswegen hat atmosfair in den letzten Jahren aktiv mit den jeweiligen Regierungen verhandelt und dabei umfangreiche Zusagen gemacht. So wurde unter dem Strich für alle mehr erreicht: Die Projektländer bekommen mehr Finanzierung und Technologie für ihre Programme, atmosfair erhält die CO₂-Zertifikate nach den neuen UN-Standards, und das Klima freut sich über viele zusätzliche Tonnen an CO₂-Minderungen, die früher Doppelzählungen waren.
Denn der PACM schafft eine neue Qualität der freiwilligen CO₂-Kompensation von Unternehmen: Richtig angewandt sind die CO₂-Minderungen unserer Projekte jetzt nicht nur zusätzlich in dem Sinne, dass das Projekt ohne uns nicht stattgefunden hätte. Die CO₂-Minderungen des Projektes gehören nun niemandem mehr, außer dem Klima: Das Projektland darf sie nach den neuen PACM-Regeln nicht mehr auf seine Klimaziele anrechnen. Und ebenso wenig darf ein investierendes z.B. europäisches Unternehmen sie mit seinen gesetzlichen CO₂-Minderungspflichten verrechnen, die das Unternehmen im eigenen Haus erbringen muss. Die CO₂-Minderungen im Projekt finden aber dennoch physisch statt und kommen so dem Weltklima zugute, on top und zusätzlich zu allen weltweiten Klimaschutzzielen der Länder. Das wertet die freiwillige CO₂-Kompensation neu auf und macht sie zu einem vollwertigen Klimaschutzinstrument. atmosfair ist der einzige Anbieter von freiwilliger CO₂-Kompensation nach diesem neuen Modell, wie die Stiftung Warentest fand. Wir hoffen, dass Unternehmen, die wirkungsvollen zusätzlichen Klimaschutz über das Gesetz hinaus betreiben wollen, diese neue Möglichkeit prüfen, wenn sie sich zukünftig für das Klima engagieren.
Beispiel Nigeria, Transfer von High- und Lowtech
Ein Beispiel für unsere Verhandlungen mit den Regierungen der Projektländer ist Nigeria. Das Land hat sich kürzlich offiziell bei der UN als Projektland für Klimaschutzprojekte nach PACM registriert. Dort haben wir anderthalb Jahre lang mit der Regierung verhandelt, damit sie die CO₂-Einsparungen unserer Save 80-Öfen an uns überträgt. Dafür müssen wir Nigeria mehr bieten als Klimaschutz: Wir stellen sämtliche effiziente Öfen in einer eigenen Fabrik im Norden des Landes her und schaffen dort über einhundert einheimische Arbeits- und Ausbildungsplätze. Und in Zukunft sollen Save 80-Öfen nicht nur 80, sondern 100 Prozent des Brennholzes einsparen. Dazu statten wir Dörfer mit Maschinen aus, die Erntereste zu Pellets für die Öfen pressen. Damit können die Menschen ihre Abfälle als Alternative zu teurem Brennholz nutzen. Und sie müssen ihre Energiequelle nicht mehr den bedrohten Baumbeständen in der trockenen Sahelzone entnehmen.
Greifbarer Mehrwert für Menschen neben dem Klimaschutz
Im Norden des Landes finanzieren wir nun neben den effizienten Öfen auch öffentliche Brunnen und Tränken mit Solarenergie, an denen sich die Bevölkerung und Viehherden mit Trinkwasser versorgen können. Und wir haben mit deutscher Expertise und Technologie einen Vorschlag entwickelt, wie das westafrikanische Land eine eigene Wasserstoffproduktion aufbauen kann, die sie für die Dekarboniserung des eigenen Gas- und Ölsektors benötigt.
Wie der Mehrwert neben dem Klimaschutz aussehen kann, zeigen unsere neuen Biogasanlagen in Ghana, die Menschen günstiges Kochgas zur Verfügung stellen oder die neue Pflanzenkohle-Produktion in Südafrika, die Ackerböden fruchtbarer macht.
Klimatreiber Kondensstreifen vermeiden
Viele Camper kennen den Effekt: Im heißen Sommer können schon ein paar langlebige Kondensstreifen, die sich abends am Himmel ausbreiten, dafür sorgen, dass es nachts weniger abkühlt. Die künstlichen Wolken können nachts mehr Wärme der abstrahlenden Erde auffangen, als sie tagsüber von der Sonne abschirmen und tragen so insgesamt zur Klimaerwärmung bei. Wie Forschung und Politik mit den Kondensstreifen umgehen wollen, lesen Sie in unserem Hintergrundbeitrag.
Und auch bei der Produktion von klimaverträglichem Kerosin für Verkehrsflugzeuge gibt es Fortschritte: atmosfair Partner BEST in Wien hat Kerosin aus Abfällen von Cashewschalen aus der Elfenbeinküste erzeugt. Ganz ohne Teller-Tank-Konkurrenz, Kerosin aus Abfällen.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!
Herzlich,
Ihr Dietrich Brockhagen
Geschäftsführer atmosfair
Hintergrund:
Paris Agreement Crediting Mechanism: Neues Vertrauen für UN-Kompensation?
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Kondensstreifen – wie sich die unterschätzten Klimatreiber vermeiden lassen
Bei der Klimawirkung von Flugzeugen ist meistens von CO₂ die Rede. Doch Kondensstreifen heizen die Atmosphäre noch stärker auf. Die gute Nachricht: Sie lassen sich relativ einfach vermeiden. Wir zeigen, wie.
Neues aus unseren Projekten:
Klimafreundliches Kochen in Ghana: Pilotanlage verwandelt Abfall in Biogas
Organische Abfälle sind eine wertvolle Quelle für Energie und Biodünger. Deshalb nehmen wir in Ghana jetzt eine neuartige Anlage in Betrieb, die in einen Container passt. Darin verwerten wir nicht nur Abfälle, sondern befreien auch Gewässer von einem tückischen Schädling.
Erstes Kerosin aus Cashewschalen hergestellt
Sowohl der Klimaschutz als auch mögliche Blockaden der Straße von Hormus verlangen nach Alternativen für fossiles Kerosin. Jetzt gelang es zum ersten Mal, Cashewschalen in Kerosin umzuwandeln. Wir erklären, wie das funktioniert.
Südafrika: aus Palettenresten wird Biodünger
Bei der Reparatur von Paletten fallen tonnenweise Holzreste an. Unsere Partnerfirma AquaGel verwandelt sie in Pflanzenkohle, die Kohlenstoff dauerhaft im Boden bindet. Dazu mischt sie eine neuartige Zutat, die das Klima zusätzlich schützt.






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