atmosfair news Februar 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

die ersten Wochen von 2026 waren interessant. Zum ersten Mal hat atmosfair sich gegen Falschaussagen in einer Zeitung gewehrt, genauer gesagt in DIE WELT. Es endete im Februar vor Gericht, in einem Verfahren atmosfair gegen den Verlag Axel Springer.

Dass in den USA die Klimapolitik nur eine vergleichsweise kleine Zielscheibe unter der Trump-Regierung ist, scheint Konsens unter Beobachtern zu sein. Aber wo stehen wir in der EU? Viele sprechen von Rollback mit Verweis auf das abgeschwächte Verbrenner-Aus ab 2035 oder Verschiebung von Klima-Reportingpflichten für die große Mehrzahl europäischer Unternehmen. Viel gestritten wurde Ende 2025 um das europäische Klimaschutzziel für das Jahr 2040, das aber aus unserer Sicht mit 90 % CO₂-Reduktion gegenüber 1990 immer noch eine gute Grundlage bietet, auch wenn es einige Aufweichungen in der Umsetzung gibt.

Angesichts der schwächelnden Wirtschaft in Deutschland und der EU und den großen Herausforderungen gegenüber den USA und China ist es nachvollziehbar, dass viele Bürger in der EU heute die Klimapolitik nicht auf Kosten der Wirtschaft vorantreiben wollen, auch wenn es diesen Widerspruch in weiten Teilen gar nicht gibt. Dem Umweltbundesamt zufolge ist der Anteil der Menschen in Deutschland, die Klimaschutz für sehr wichtig halten, in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Auch das Ziel, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, verliert hierzulande an Rückhalt. Die EU-Beschlüsse für 2040 stehen auch deswegen unter der Einschränkung, dass mit einem Überprüfungsmechanismus regelmäßig Energiepreise und Wettbewerbsfähigkeit bewertet werden sollen, um das Klimagesetz ggf. anzupassen.

Dass Klimapolitik neben den sozialen Medien auch in der etablierten Presse wieder zunehmend kontrovers diskutiert wird, überrascht daher nicht. Es mehren sich aber auch die unlauteren Angriffe. Die Organisation LobbyControl hat unter dem Titel „Desinformation, Diffamierung und Defunding: Zivilgesellschaft unter Druck“ Ende 2025 einen Bericht veröffentlicht, in dem sie zeigt, wie mediale Angriffe auf Umwelt-NGOs zielen. Prominentes Beispiel ist eine Artikelserie in DIE WELT. Unter anderem unter der Überschrift „Geheime Verträge – EU-Kommission bezahlte Aktivisten für Klimalobbyismus“ hatte die WELT-Redaktion behauptet, die EU-Kommission habe in „Geheim-Verträgen” festgelegt, dass NGOs unter anderem Kohlekraft und Handelsabkommen torpedieren sollten. Dafür habe die EU-Kommission den NGOs viel Geld gezahlt. Die Süddeutsche Zeitung, DIE ZEIT und Politico stellten die Vorwürfe richtig. DIE WELT wurde kurz vor Weihnachten 2025 vom Deutschen Presserat gerügt.

In den Sozialen Medien gibt es das schon länger. Wir wissen bereits, dass auf Facebook und Co. extreme Meinungen den Diskurs dominieren. Im Schutz der Anonymität nehmen Kommentatoren gerne den Mund voller, als sie es sich im direkten Gespräch trauen. Aber der Autor Max Fisher hat gezeigt, dass es der Algorithmus von Facebook selbst ist, der diese Extreme nach vorne befördert, moderate Posts weit unten vergräbt, und damit Gewalt und Chaos schafft. Denn so lassen sich User länger auf den Seiten halten und so lässt sich mehr Geld mit Werbung verdienen.

atmosfair gewinnt gegen den Axel Springer Verlag

Die Freie und Hansestadt Hamburg hatte sich vorgenommen, bis Ende 2020 2 Millionen Tonnen CO₂-einzusparen. Weil die eigenen Klimaschutzmaßnahmen dafür nicht reichten, hat sie bei atmosfair insgesamt 75.000 Tonnen CO₂-Kompensation gefördert, aus unserem Projekt mit effizienten Öfen im Norden Nigerias. Die auch im Internet auf den Seiten der Klimarahmenkonvention UNFCCC frei einsehbaren Prüfberichte der UN-akkreditierten Prüfer zeigten, dass atmosfair über 11.000 solcher Öfen in Nigeria verteilt hatte, die diese Menge CO₂ über mehrere Jahre erfolgreich einsparten, überprüft und dokumentiert.

Dennoch veröffentlichte DIE WELT am 18.12.2025 unter der Überschrift: „Wie Hamburg Öfen in Nigeria kaufte, die es nicht gab“ und dem Untertitel „Um seine Klimaziele zu erreichen, finanzierte Hamburg klimafreundliche Öfen in Afrika – doch die waren nicht aufzufinden“ einen Artikel, der ausführte: „Zwar existierten die effizienten Herde, mit denen der Senat ab 2018 die Klimabilanz aufpolierte, nur auf dem Papier“. Und sinnierte weiter: „Wurden hier Einsparungen gutgeschrieben, die nur auf dem Prinzip Hoffnung beruhten?“

Das war neu für atmosfair. Natürlich wurde und wird die CO₂-Kompensation häufig kritisch hinterfragt, was schließlich auch Aufgabe der Presse ist, und natürlich haben neben den offiziellen UN-akkreditierten Prüfern auch Stiftung Warentest und Wissenschaftler unsere Projekte und Veröffentlichungen im Detail geprüft und bewertet. Noch nie aber wurden dabei wesentliche Fakten falsch dargestellt, die das Vertrauen in unsere Projekte beschädigen.

In zwei Verfahren zu Unterlassung und Gegendarstellung hat atmosfair Ende Januar und Anfang Februar 2026 vor dem Landgericht und Kammergericht in Berlin gegen den Verlag Axel Springer geklagt und gewonnen. Die Richter schlossen sich in allen Punkten der Klage von atmosfair an. DIE WELT darf die obigen fälschlichen Aussagen nicht mehr verwenden und muss an gleicher Stelle eine entsprechende Gegendarstellung zeigen (mehr Info siehe hier).

Flugverkehr, neue Studie in „Nature Communications“ mit atmosfair

In dem wissenschaftlichen Paper „Nature Communications Earth & Environment“ erschien im Januar ein Artikel zu CO₂-Einsparpotentialen im weltweiten Flugverkehr von Autoren um Stefan Gössling, zu dem atmosfair die CO₂-Berechnungen für Flugzeuge und die zugehörigen Daten beigesteuert hatte. Ergebnis ist, dass der Flugverkehr schon heute pro Flugkilometer über 50 % CO₂-einsparen könnte, wenn modernste Flugzeuge eingesetzt, nur Economy-bestuhlt und mit höchsten Auslastungsgraden geflogen würden.

Die TAZ fragte dann in einem Interview bei atmosfair nach, was von diesen theoretischen Potentialen in der Praxis durch die Politik realisiert werden könnte. Lesen Sie den Artikel hier.

Gemeinsame Biomassestudie mit ifeu-Institut

Ende 2025 stellten wir eine neue atmosfair-Studie vor, die vom ifeu-Institut begleitet und herausgegeben wurde. Unsere Ausgangsfrage war: Wie viele der weltweiten Restbiomassen sind wirklich nachhaltig verfügbar in dem Sinne, dass sie energetisch genutzt werden können, ohne Nachteile für Böden oder Wald mit sich zu bringen und ohne in Konkurrenz zu kleinbäuerlicher Nutzung zu stehen, wie beispielsweise als Viehstreu? Damit geht unsere Studie einen wesentlichen Schritt weiter als bisherige Studien, die meist nicht über die Unterschiede hinausgehen zwischen einerseits extra angebauten Energiepflanzen wie Raps, Soja oder Palmöl, sowie anderseits Restbiomassen, die als Abfall anfallen, wenn Getreide gedroschen, Früchte gepresst oder Holz gesägt wird.

Schwerpunkt der Studie sind die Entwicklungsländer. Wir zeigen, dass es noch erhebliche Potentiale zu heben gibt, die z.B. 20 % des fossilen Kerosins im weltweiten Flugverkehr ersetzen könnten, durch synthetisches Kerosin aus der Gasifizierung solcher Biomassen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Herzlich,

Ihr Dietrich Brockhagen
Geschäftsführer atmosfair

P.S.: atmosfair wächst und sucht engagierte Mitarbeiter mit technischem Hintergrund für unsere Klimaschutzprojekte weltweit. Haben Sie Interesse? Hier finden Sie die aktuellen Stellenausschreibungen von atmosfair und Solarbelt.

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3.500 Unterrichtsstunden für mehr Klimabewusstsein

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