Klimaschutz, der wirkt – und gleichzeitig Landwirtschaft und lokale Wertschöpfung stärkt: Mit einer neuen Partnerschaft in Johannesburg werden wir noch mehr CO₂ aus der Luft entfernen. Gemeinsam mit dem südafrikanischen Unternehmen AquaGel modernisieren wir eine Pyrolyseanlage, die Restbiomassen in Pflanzenkohle umwandelt. Diese lässt sich als Biodünger auf Feldern einsetzen und bindet dort dauerhaft Kohlenstoff.

Gideon van den Berg, atmosfair Projektanalyst und Artikel 6-Hub Manager, besucht eine große Fabrikhalle in East Rand, einem Industriegebiet am Stadtrand von Johannesburg. Hier betreibt AquaGel eine Pyrolyseanlage, deren Produktionskapazität sie erhöhen wird. „Die Produktion von Pflanzenkohle aus Biomasse-Abfällen ist für uns ein wirksames Mittel, um den Klimawandel einzudämmen. Sie wirkt nämlich als dauerhafter Kohlenstoff-Speicher. Wir haben bereits umfangreiche Erfahrungen mit Pflanzenkohle-Projekten auf der ganzen Welt gesammelt. Aber hier haben wir zusätzlich die spannende Möglichkeit, potenzielle Synergien zwischen Pflanzenkohle und beschleunigter Verwitterung zu erforschen,“ erklärt van den Berg.
Bei voller Auslastung wird die Anlage rund 1.200 Tonnen Pflanzenkohle pro Jahr produzieren, die AquaGel in 12.000 Tonnen Dünger umwandelt. Auf Feldern ausgebracht, bindet dieser Dünger etwa 2.600 Tonnen CO₂ dauerhaft im Boden. Das entspricht den Emissionen von fünf Flügen einer Boeing 747 zwischen Frankfurt und New York. Um noch mehr für den Klimaschutz zu tun, finanziert atmosfair ebenfalls ein Abwärme-Rückgewinnungssystem. Es fängt die Restwärme des Pyrolyseprozesses auf, mit der sich anschließend Strom für den gesamten Projektstandort erzeugen lässt. Das steigert die Effizienz der Anlage mit regenerativer Energie.
Pflanzenkohle und Gesteinsmehl: eine leistungsstarke Kombination
Als Rohstoff für den ganzen Prozess dienen beschädigte Teile von Holzpaletten, die sich nicht mehr wiederverwenden lassen. Bisher landeten sie auf Deponien oder wurden verbrannt. Nun recyceln wir sie in der Pyrolyseanlage. Dabei werden die zerkleinerten Holzschnitzel hohen Temperaturen von mehreren hundert Grad ausgesetzt. Die Hitze spaltet Moleküle auf, wobei Pflanzenkohle zurückbleibt, die anschließend mit lokal gewonnenem Gesteinsmehl vermischt wird.
Während Pflanzenkohle die Bodenstruktur verbessert, Wasser zurückhält und für mikrobielle Aktivitäten sorgt, liefert der Gesteinsstaub zusätzliche Mineralien. Diese Komponenten bilden ein regeneratives Düngemittel-Produkt namens RegenR8, das die Widerstandsfähigkeit des Bodens stärkt und die Abhängigkeit von synthetischen Düngemitteln verringert.

Zusätzlicher Klimaschutz mit beschleunigter Verwitterung
Feldversuche mit diesem neuartigen Dünger haben vielversprechende Ergebnisse gezeigt, mit Ertragssteigerungen von 10 bis 20 Prozent. Das Gesteinsmehl kann möglicherweise weiteres Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entfernen, da es schneller verwittert als unzerkleinertes Gestein. Wie diese beschleunigte Verwitterung wirkt, werden wir bei der Anwendung des Düngers untersuchen. Zertifizierte negative Emissionen erhalten wir nur für die Pflanzenkohle-Komponente.
Clayton Postma, der Geschäftsführer von Aquagel, äußert sich positiv über seinen neuen Partner aus Deutschland: „atmosfair versteht, dass Klimaschutz und Ernährungssicherung untrennbar miteinander verbunden sind. Diese Partnerschaft ermöglicht es uns, die Produktion von RegenR8 zu skalieren, einerseits als organischen Dünger und andererseits als glaubwürdige Lösung, um Kohlenstoffdioxid zu entfernen. So unterstützen wir Landwirte und erzielen gleichzeitig messbare Erfolge für den Klimaschutz.“


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