Wie viele Länder Ostafrikas hat auch Tansania ein Abfallproblem. Damit daraus kein Klimaproblem wird, kompostieren wir dort organische Abfälle und produzieren klimaverträglichen Dünger.
Tansania, südlich von Dar Es Salam, August 2024: Kigen und Matt von unserem Partner BioBuu stehen
auf der neuen Kompostierungsanlage, etwa 30 Kilometer südlich von Dar es Salaam. Stolz beobachten sie, wovon andere sich abwenden würden. Lastwagen rollen an und entladen ihre Fracht: Frische, organische Abfälle von einem lokalen Unternehmen. Die Lastwagen bringen die ersten Obst- und Gemüsereste, die noch vor wenigen Wochen auf Deponien gelandet wären. Stattdessen werden sie ab sofort hier sorgfältig verarbeitet. Am Ende entsteht fruchtbarer, natürlicher Kompost, der Böden verbessert und das Klima schützt.
Abfallentsorgung als globale Herausforderung
Tansania, wie viele andere Länder Ostafrikas, sieht sich mit einem stetig wachsenden Abfallproblem konfrontiert. Allein in dem urbanen Zentrum Dar es Salaam fallen jeden Tag viertausend Tonnen Müll an. Doch statt einer sinnvollen Nutzung werden diese Abfälle oft mit Plastik, Metall und anderem Unrat vermischt und auf Deponien entsorgt. Dort verrotten sie unter unkontrollierten Bedingungen, wobei sie große Mengen Methan freisetzen – ein Treibhausgas, das den Klimawandel erheblich beschleunigt. Hier setzen atmosfair und BioBuu an: organische Abfälle getrennt sammeln, um sie gezielt zu verarbeiten.

Wie aus Abfall etwas Wertvolles wird
Die Grundlage der Kompostierung liegt in einem natürlichen Prozess: der Zersetzung organischer Materialien durch Mikroorganismen. BioBuu schichtet das organische Material kontrolliert in sogenannten Mieten auf – langen, belüfteten Haufen, die regelmäßig gewendet werden. Dieses Wenden erhöht den Sauerstoffgehalt, wodurch anaerobe Verwitterung verhindert wird, bei der sich klimaschädliches Methan bildet. Gleichzeitig steigert der Sauerstoff die Aktivität von Mikroorganismen, die für die Zersetzung verantwortlich sind. In den ersten Wochen steigt die Temperatur innerhalb der Mieten durch die biologische Aktivität deutlich an. Die Wärme hilft dabei, potenziell schädliche Keime abzutöten und den Zersetzungsprozess zu beschleunigen. Über 16 Wochen hinweg verwandeln sich die einstigen Abfälle in nährstoffreichen Kompost, der schließlich abgepackt und verkauft wird.
Gewinn für die lokale Landwirtschaft
BioBuu verkauft den fertigen Kompost hauptsächlich an Kleinbauern in der Region. Diese Landwirte stehen oft vor der Herausforderung, ihre Erträge zu steigern, ohne teure chemische Düngemittel kaufen zu können. Der organische Dünger von BioBuu bietet ihnen eine kostengünstige und umweltfreundliche Alternative. Die Vorteile für die Böden sind enorm:
Der Kompost verbessert die Bodenstruktur, erhöht die Wasserhaltefähigkeit und liefert essenzielle Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium. Dadurch wachsen Pflanzen gesünder und widerstandsfähiger, was zu höheren Erträgen führt. Für viele Kleinbauern bedeutet dies nicht nur mehr Einkommen, sondern auch eine größere Sicherheit in der Nahrungsmittelversorgung – besonders wichtig in einer Region, die immer wieder mit den Folgen von Dürre und Klimaveränderungen konfrontiert ist.

Soziales und wirtschaftliches Plus
Die Kompostierung ist nicht nur ein Gewinn für die Landwirtschaft. Sie schafft auch neue Arbeitsplätze und stärkt dadurch die lokale Wirtschaft. Vom Sammeln der Abfälle bis hin zur Verarbeitung und Vermarktung des Düngers bietet die Kompostieranlage zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten für die Menschen vor Ort. Besonders für Frauen und junge Erwachsene, die oft Schwierigkeiten haben, Arbeit zu finden, eröffnen sich hier neue Perspektiven.
Die Umweltvorteile der Kompostierung reichen weit über die Verbesserung der Böden hinaus. Durch die kontrollierte Zersetzung der Abfälle wird die Entstehung von Methan – einem der schädlichsten Treibhausgase – vermieden. Methan hat eine 27-mal stärkere Wirkung auf die Erderwärmung als Kohlenstoffdioxid. Nach Ausbau unserer Anlage werden wir jeden Tag 12 Lkw-Ladungen an organischen Abfällen verarbeiten. Damit vermeiden wir 40 Tonnen CO₂-Emissionen.
Nachhaltigkeit als ganzheitliches Konzept
Das Kompostierungsprojekt in Tansania steht exemplarisch für ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept: Es verbindet ökologische, soziale und wirtschaftliche Vorteile und zeigt, wie aus einem vermeintlichen Problem – der Müllentsorgung – eine Lösung für mehrere Herausforderungen entstehen kann. atmosfair und BioBuu setzen auf langfristige Partnerschaften mit den Gemeinden und lokalen Betrieben, um die Kompostieranlagen nachhaltig zu betreiben. Ziel ist es, das Modell auf weitere Regionen auszudehnen und so einen flächendeckenden Beitrag zur Verbesserung der Abfallwirtschaft in Tansania zu leisten.
Fazit
Die Kompostieranlage zeigt das große Potenzial von nachhaltigen Lösungen auf. atmosfair und BioBuu verknüpfen hier in Tansania ökologische, soziale und wirtschaftliche Interessen. Sie gehen mit gutem Beispiel voran – in Richtung einer grüneren Zukunft von Tansania.

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