Auf dem Weg zu CO₂-neutralem Flugtreibstoff sind wir einen Schritt weitergekommen: Im Rahmen eines Pilotprojekts ist es gelungen, aus Cashewschalen Kerosin zu erzeugen. Damit ist der Grundstein gelegt, um holzige, biologische Reststoffe für klimaverträglicheres Fliegen zu nutzen.

Stefan Günthner von der Solarbelt gGmbh mit Cashewschalen sowie mit Rohöl und Wachsen, die BEST in Wien aus diesem Rohstoff hergestellt hat

Das Experiment erfolgte in einer Anlage für das Biomass-to-Liquid-Verfahren (BtL), die Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH (BEST) in Wien gebaut hat. Rohstoff für das Experiment waren Cashewschalen aus der Elfenbeinküste, welche die atmosfair Tochterfirma Solarbelt gGmbH geliefert hat. In dem westafrikanischen Land fallen bei der Verarbeitung von Cashewkernen großen Mengen Schalen an, die bisher keine Verwendung fanden.

Beim BtL-Verfahren hat BEST die holzigen Schalen in seiner Syngas-Plattform Vienna gasifiziert und anschließend mit Fischer-Tropsch-Synthese Rohöl und Wachse erzeugt. Danach stellte das Engler-Bunte-Institut (EBI) daraus Flugkraftstoff her. Laut einer von BEST jetzt veröffentlichten Analyse erfüllt dieser Treibstoff alle erforderlichen Eigenschaften für den Einsatz im Flugverkehr. Er lässt sich zusammen mit fossilem Kerosin vertanken, verbrennt dabei jedoch CO₂-neutral.

Cashewschalen aus der Elfenbeinküste sind Grundlage für unseren erfolgreichen BtL-Versuch mit BEST (Foto: BEST)

Neue Treibstoffe sollen Luftfahrt dekarbonisieren

Sogenannte „nachhaltige Flugkraftstoffe” (Sustainable Aviation Fuels, SAF) sind derzeit der einzige Weg, um die Luftfahrt zu dekarbonisieren und klimaverträglicher zu machen. Bislang werden jedoch lediglich SAF aus Fetten (Hydroprocessed Esters and Fatty Acids, HEFA) in größeren Mengen produziert – nämlich zwei Millionen Tonnen im Jahr 2025. Die Gesamtmenge an Abfallfetten, für die keine Energiepflanzen angebaut werden müssen, ist allerdings begrenzt.

Deshalb ist es umso wichtiger, weitere Technologien für SAF zu entwickeln, von denen die Länder des Globalen Südens ebenfalls profitieren. Das ist atmosfair besonders wichtig. Das Potenzial für BtL-Produktion aus Restbiomassen ist groß: So haben wir in einer atmosfair Studie gezeigt, dass jedes Jahr rund 400 Millionen Tonnen an umwelt- und sozialverträglichen sowie verfügbaren Restbiomassen in Ländern des Globalen Südens anfallen.

Auf holzige Restbiomassen entfallen dabei 250 Millionen Tonnen, die aktuell knapp 10 Prozent des weltweiten Kerosinbedarfs decken könnten. Da jetzt die technische Machbarkeit gezeigt ist, liegt es nun an Investoren und Unternehmen, die BtL-Produktion zu skalieren und CO₂-neutrales Kerosin in größeren Mengen herzustellen.

Das fertige Kerosin aus Cashewschalen hat das Karlsruher Institut für Technologie untersucht (Foto: KIT)