Es ist ein verregneter Tag in Musanze im Norden Ruandas. Nebelschwaden hängen zwischen den grünen Hügeln, während Angelique mit einem Korb voller Tomaten und Bohnen zum lokalen Markt geht.

Sie verkauft ihr Gemüse und sichert einen Teil des Familieneinkommens. Vom Erlös kauft sie Unga, Maismehl, aus dem sie später Ugali kochen wird – einen festen Maisbrei, der in vielen Haushalten täglich auf den Tisch kommt. Das Kochen für die Familie gehört zu ihrem Alltag und nimmt viel Zeit in Anspruch. Doch heute ist ein besonderer Tag: Besuch aus Deutschland hat sich angekündigt.

Der Save 80-Ofen von atmosfair benötigt zum Kochen nur noch 20 Prozent des bisher verwendeten Brennholzes – und stößt deutlich weniger Rauch aus.

Nachdem Angelique alles erledigt hat, kehrt sie nach Hause zurück, wo sie sich mit Andrea Cuesta-Mosquera vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) trifft. Es ist Cuesta-Mosqueras erster von insgesamt 40 Besuchen, die sie mit Frauen-Communities von landwirtschaftlichen Genossenschaften sorgfältig geplant und organisiert hat. Während Angelique Wasser holt und Holz vorbereitet, baut Cuesta-Mosquera ihre Messgeräte auf. Sie wird die Feinstaubbelastung messen, die beim Kochen entsteht, wenn Holz verbrennt. Zuvor hat ein anderes Team von der NGO Safer Rwanda, unter Leitung von Dr. Henning Kothe von Buana e.V., bei Angelique einen Lungenfunktionstest mittels Spirometrie durchgeführt. Bei der Gesundheitsuntersuchung füllte Angelique zudem einen Fragebogen aus, um zu ermitteln, wie häufig sie unter Atemwegsbeschwerden leidet. Ziel ist es, herauszufinden, ob sich die Luftqualität und Angeliques Gesundheit verbessert haben, seitdem sie nicht mehr auf einer offenen Feuerstelle kocht, sondern mit einem effizienten Save 80-Ofen von atmosfair.

Sechs Monate zuvor hat Angelique sich dafür entschieden, den neuen Ofen zu testen – eine Entscheidung, die zunächst praktische Gründe hatte. Der Save 80 verbraucht deutlich weniger Feuerholz und spart damit Zeit und Geld, weil sie das Holz nicht mehr auf
dem Markt kaufen oder im Wald selbst sammeln muss. Doch schon nach kurzer Zeit bemerkte sie weitere Veränderungen: weniger Rauch in der Küche, kaum noch brennende Augen und sie muss seltener husten. „Früher habe ich abends oft schlecht Luft bekommen“, erzählt sie. „Jetzt fühlt sich das Atmen leichter an.“ Diesen subjektiven Eindruck möchte Cuesta-Mosquera nun mit wissenschaftlichen Daten belegen.

Eine Mitarbeiterin des TROPOS-Instituts bereitet einen Messrucksack vor, mit dem die Luftqualität ermittelt wird. (Foto: TROPOS)
Auch ein Fragebogen zu Atemwegssymptomen ist Teil der Studie zu den Gesundheitseffekten der Save 80-Öfen. (Foto: TROPOS)

1.000 Teilnehmende an Studie

Angelique ist eine von über eintausend Erwachsenen, die an einer dreijährigen Feldstudie in ländlichen Regionen Ruandas teilnehmen. Dabei werden Familien mit traditionellen Kochstellen mit Haushalten verglichen, die den Save 80-Ofen nutzen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen die Teilnehmenden zweimal umfassend – mit Gesundheitsfragebögen, klinischen Tests und Lungenfunktionsmessungen. Gleichzeitig nutzt das Forschungsteam tragbare Messgeräte, um die Belastung durch Feinstaub (Partciulate Matter PM 2,5), Ruß und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe quantitativ zu erfassen.

Save 80 in Ruanda

Der Save 80-Ofen benötigt dank seiner speziellen Konstruktion rund 80 Prozent weniger Holz als traditionelle Kochmethoden. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz: Allein im Jahr 2024 haben 150.000 Öfen in Ruanda rund 390.000 Tonnen CO₂ eingespart. So groß ist der jährliche, ökologische Fußabdruck einer mittelgroßen, deutschen Kreisstadt mit 50.000 Einwohnern.

In Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen engagiert sich atmosfair als Klimaschutzorganisation seit Jahren für die Einführung effizienter Kochtechnologien in Subsahara-Afrika. Sie betreibt eigene Produktionsstätten und Vertriebsnetze in Nigeria und Ruanda, womit sie wiederum Arbeitsplätze schafft.

Die Auswertung fördert deutliche Ergebnisse zu Tage

In Haushalten mit effizienten Öfen sank die Feinstaubkonzentration um durchschnittlich 77 Prozent. Die Belastung mit Ruß reduzierte sich um bis zu 50 Prozent, die Konzentration von braunem Kohlenstoff sogar um 78 Prozent. Diese Stoffe gelten als besonders gesundheitsschädlich, da sie tief in die Lunge eindringen und chronische Atemwegserkrankungen begünstigen können.

Die Gesundheitsdaten bestätigen die Messwerte. Nutzerinnen der Save 80-Öfen berichteten seltener von Atemwegssymptomen wie anhaltendem Husten, Schleimbildung oder Atemnot. Gleichzeitig zeigte sich bei ihnen eine bessere Lungenfunktion im Laufe der Zeit. „Unsere Ergebnisse unterstreichen, dass sauberes Kochen erhebliche Auswirkungen hat – insbesondere für Frauen, die traditionell für das Kochen zuständig sind und deshalb am stärksten unter dieser Form der Luftverschmutzung leiden“, erklärt Andrea Cuesta-Mosquera. Für viele Teilnehmerinnen ist die Schadstoffbelastung im Tagesverlauf beim Kochen am höchsten.

Traditionelle Kochstellen in Ruanda verbrauchen viel Holz, und beim Kochen entstehen große Mengen an giftigem Rauch.

Die Studie verdeutlicht damit ein oft unterschätztes Gesundheitsrisiko. Weltweit nutzen rund 2,3 Milliarden Menschen offene Feuer oder ineffiziente Öfen zum Kochen. Der dabei entstehende Rauch enthält eine Vielzahl gesundheitsgefährdender Partikel. Laut internationalen Schätzungen trägt diese häusliche Luftverschmutzung maßgeblich zu Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen und vorzeitigen Todesfällen bei – vor allem bei Frauen und Kindern, die sich lange in der Nähe der Feuerstellen aufhalten. „Luftverschmutzung ist in vielen einkommensschwachen Haushalten ein stiller Killer“, sagt Dr. Henning Kothe von Buana e.V., der die gesundheitliche Bewertung des Projekts begleitet hat. „Sie wirkt schleichend, aber dauerhaft.“

Neben den gesundheitlichen Vorteilen zeigen sich soziale und wirtschaftliche Effekte. Weniger Holzverbrauch bedeutet weniger Zeitaufwand, so dass Frauen wie Angelique nun mehr Zeit für den Anbau zusätzlicher Feldfrüchte, für ihre Kinder oder für kleine Jobs haben. Ihre Geschichte zeigt, wie technologische Innovationen nicht nur das Klima schützen, sondern auch die Lebensqualität der Menschen verbessern.

Weitere Infos zur Studie

Die Studie mit dem Titel „Auswirkungen verbesserter Kochöfen auf die Gesundheit: Langzeitbewertung“ führte das TROPOS Institut gemeinsam mit dem Verein Buana e.V. durch, unterstützt von atmosfair und ihrem lokalen Partner SaferRwanda. An der Studie nahmen insgesamt 1.000 Menschen teil, vor allem Frauen (87 %). Die Fachzeitschrift Nature Scientific Reports veröffentlichte sie im Juli 2025. Sie ist unter diesem Link auf englisch verfügbar.

Blick auf die Kulturlandschaft Ruandas: Wenn die Menschen auf diesen Bauernhöfen weniger Brennholz verbrauchen, schonen sie die Wälder des Landes.