Newsletter 03/2016

 

Liebe Leserinnen und Leser,

jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Unsere Save80-Öfen helfen nicht nur Umwelt und Klima, sie sind auch für das Wohlbefinden ihrer Nutzerinnen ein Gewinn. In einer umfassenden Studie hat atmosfair gemeinsam mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen und Ärzten der Universität Lübeck den Gesundheitszustand von Frauen im Flüchtlingscamp Kiziba in Ruanda untersucht – vor und sechs Monate nach Einführung der effizienten Öfen. Nun liegen die Ergebnisse vor, und sie sind überaus erfreulich. Allen Frauen ging es fühlbar besser, sie konnten leichter und freier atmen, seitdem sie ihre Mahlzeiten nicht mehr auf offenen Feuern zubereiten mussten. Für uns ist das ein schöner Ansporn, um mit voller Kraft weiter an der Verbreitung sauberer Öfen zu arbeiten.

In unserer aktuellen Newsletter-Ausgabe berichten wir außerdem, wie es mit dem Wiederaufbau in Nepal vorangeht. Auch mehr als ein Jahr nach den verheerenden Erdbeben mit 9000 Toten dauern die Aufräumarbeiten noch an, die Naturkatastrophe hat das bettelarme Land um Jahre zurückgeworfen. Wir waren vor Ort, um unsere Wiederaufbau-Initiative „Neue Energie für Nepal“ weiter zu verfolgen. Das Ziel: der Aufbau eines klimafreundlichen Trekkingpfads. So viel sei hier schon verraten: Wir sind vorsichtig optimistisch.

Sie wissen, atmosfair setzt sich für klimafreundliches Reisen ein und möchte Menschen dazu anregen, über die Klimawirkung ihrer Flüge und Fahrten nachzudenken. Doch wir zeigen nicht nur auf die anderen, wir schauen auch auf uns selbst. Bei einer Fachtagung diskutierten wir mit Reisemanagern, wie das eigene Unternehmen seine Mitarbeiter zu mehr Nachhaltigkeit in der Mobilität motivieren kann. Das Patentrezept haben wir natürlich nicht gefunden, doch auf jeden Fall einige vielversprechende Ansätze.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen inspirierende Erlebnisse und einen schönen Restsommer – bleiben Sie uns treu und spenden Sie jetzt!

Ihr Dietrich Brockhagen
Geschäftsführer atmosfair

P.S. Fragen, Anregungen und Kritik richten Sie bitte an:
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Nepal:

Der Wiederaufbau geht schrittweise voran

Im Helambu-Gebiet sind 90 Prozent der Häuser zerstört, die Aufräumarbeiten dauern an

Im Helambu-Gebiet sind 90 Prozent der Häuser zerstört, die Aufräumarbeiten dauern an

Wenn Sie Ihren Flug über atmosfair kompensieren, können Sie sicher sein: Wir setzen Ihren Klimaschutzbeitrag dafür ein, eine entsprechende Menge CO₂ andernorts einzusparen. Diese CO₂-Minderung überprüfen wir regelmäßig - in jedem unserer Projekte. Und ein zertifizierter Prüfer kontrolliert anschließend die Ergebnisse.

In dem Klimaschutzprojekt der Kleinbiogasanlagen in Nepal, das atmosfair fördert, war es im Juni wieder so weit. Auditor Ezhilarasu vom indischen TÜV Nord kam für acht Tage nach Nepal, um 90 Haushalte in über zehn verschiedenen Regionen des Landes zu besuchen. Er prüfte, ob die Biogasanlagen funktionieren und ob sie regelmäßig zum Kochen genutzt werden.

Ergebnis: Die Anlagen funktionieren auch nach teilweise bis zu acht Jahren Nutzungsdauer einwandfrei. Die Nutzer und Nutzerinnen erleben die Technologie als eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität. Auch atmosfair Mitarbeiterin Julia Hoffmann war bei dem Überprüfungsbesuch mit dabei. Bei Durga Maya Gauli aus dem Dorf Shivaganj im Südosten Nepals beispielsweise konnte sich Hoffmann vom guten Zustand der Kleinbiogasanlagen überzeugen. Durga ist von der Anlage in ihrem Garten so begeistert, dass sie all ihre Nachbarn überredet hat, sich ebenfalls eine Anlage zu bauen. Die Gülle, die in der Anlage entsteht, nutzt Durga als natürliches Düngemittel in ihrem Garten, in dem sie Gemüse, Reis und Mais anbaut.

Natürlich sind auch die Biogasanlagen von den Erdbeben 2015 nicht verschont geblieben. Tausende Anlagen sind beschädigt und bedürfen einer Reparatur. Beim Besuch in Kathmandu setzte atmosfair dafür weitere Mittel und Hebel in Bewegung. Zusammen mit den Biogasexperten der nepalesischen Hilfsorganisation Biogas Sector Partnership soll spätestens im Herbst mit der Reparatur erster Anlagen begonnen werden.

Doch wir engagieren uns in Nepal nicht nur mit der Förderung von Biogasanlagen. Wir sind auch Mitinitiator der Kampagne „Neue Energie für Nepal“. Das Programm hilft dem von den Erdbeben schwer gezeichneten Land beim Wiederaufbau und hat sich die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus auf die Fahnen geschrieben. Unser Ziel: Ein klimafreundlicher Trekkingpfad.

atmosfair Mitarbeiterin Julia Hoffmann lief den bestehenden Trekkingpfad im Helambu-Gebiet nördlich von Kathmandu einmal komplett ab. Sie verschaffte sich einen Überblick, in welchem Zustand sich die Unterkünfte, Privathäuser und Schulen 14 Monate nach den Beben befinden. Die Tour war nicht ganz einfach. Da gerade Monsunzeit herrscht, verbrachten sie und Niki Shreshta vom Projektpartner Samarth zwei von fünf Wandertagen unter Dauerregen, schafften es jedoch trotzdem bis zum höchsten Punkt auf 3600 Meter Höhe in Tharepati.

Die Erkundungstour ergab, dass 90 Prozent der Häuser komplett zerstört sind. In den meisten Fällen hat der Wiederaufbau noch immer nicht begonnen. Viele Menschen warten auf Unterstützung durch die nepalesische Regierung – bislang vergeblich.

 

Ruanda:

Global Alliance For Clean Cookstoves besucht atmosfair Projekt

Nutzerin mit Save80, Foto: Global Alliance

Nutzerin mit Save80, Foto: Global Alliance

Im Flüchtlingscamp Mugombwa im Süden Ruandas nutzen bereits 2000 Haushalte den klimafreundlichen Save80 Ofen und sind damit Teil des atmosfair Projekts in dem ostafrikanischen Land. Nun hat die Globale Allianz für 'saubere' Öfen (Global Alliance For Clean Cookstoves) dem Projekt im April 2016 einen Besuch abgestattet – gemeinsam mit einem Team des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR.

Die Globale Allianz für saubere Kochherde ist ein Programm der Vereinten Nationen. Die Initiative wurde 2010 ins Leben gerufen, um die Verbreitung sauberer und effizienter Öfen zu fördern. In vielen Ländern des globalen Südens wird nach wie vor auf offenem Feuer gekocht. Der Rauch ist schädlich für die Gesundheit, genauso wie für die Umwelt. Die Allianz für saubere Kochherde will das ändern. Bis 2020 sollen 100 Millionen Haushalte mit effizienten Öfen ausgestattet werden.

Ziel des Ruanda-Besuchs war es, auszuloten, inwiefern die Allianz die staatlichen, privaten und humanitären Aktivitäten und Akteure vor Ort unterstützen kann. Der atmosfair Mitarbeiter Allan erläuterte der Delegation den umfassenden Ansatz zur Verteilung der Save80 Öfen, der zum ersten Mal im Mugombwa Camp angewendet wurde. Die Bewohner des Flüchtlingscamps werden direkt in den Zusammenbau, die Verteilung und die Dokumentation der Öfen eingebunden. Gleichzeitig trainieren die ausgebildeten Personen auch andere Bewohner in der korrekten Nutzung des Ofens. Insgesamt arbeiten im Mugombwa Camp dadurch rund 60 Leute als Ausbilder, Kontaktpersonen oder Ofenproduzenten. 

„Wir sind atmosfair sehr dankbar für die gemeinsamen Anstrengungen bei der Umsetzung des Projektes und dem Training der Bewohner des Flüchtlingscamps“, sagte Madeleine Marara, die Umweltbeauftragte des UN-Flüchtlingshilfswerks Ruanda. „Die gute Arbeit im Vorfeld ermöglichte den Erfolg des Projekts und die hohe Nutzungsrate des Ofens im Mugombwa Camp. Der erfolgreiche Ansatz zur Einbeziehung der Flüchtlinge in das Projekt wurde bereits in einem anderen Camp in Ruanda wiederholt.“

Die Delegation tauschte sich mit Vertretern des Mugombwa Camps aus und traf einzelne Nutzer der Save80 Öfen, um über das Projekt, die Erfolge und die Herausforderungen zu sprechen. Am Ende des Besuchs unterstrichen Vertreter der Allianz, dass sie die Zusammenarbeit mit Organisationen wie atmosfair stärken und dadurch die Umsetzung von Ofenprojekten in weiteren Flüchtlingscamps voranbringen wollen. 

 

Berlin:

atmosfair diskutiert mit Travel Managern, wie Mitarbeiter zu mehr Nachhaltigkeit angeregt werden können

atmosfair und EcoLibro diskutieren mit Reisemanagern, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter zu mehr Nachhaltigkeit in der Mobilität motivieren können

atmosfair und EcoLibro diskutieren mit Reisemanagern, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter zu mehr Nachhaltigkeit in der Mobilität motivieren können, Foto: VDR – Verband Deutsches Reisemanagement

Wie können Mitarbeiter dazu motiviert werden, die Mobilität in ihren Unternehmen nachhaltiger zu gestalten? Stellen aktuelle Trends wie Gamification und Nudging einen aussichtsreichen Ansatz dar, also der Versuch, mit spielerischen Elementen oder klaren Vorgaben Anreize zu schaffen? Das haben atmosfair und sein Partner EcoLibro mit Teilnehmern der diesjährigen Frühjahrstagung des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) diskutiert.

Ausgangspunkt waren die Ergebnisse einer Studie, die atmosfair und das Beratungsunternehmen EcoLibro 2015 durchgeführt haben. Erstmalig wurden dabei Unternehmen zur Nachhaltigkeit ihrer Mobilität miteinander verglichen. Die Bereiche Geschäftsreisen, Dienstfahrzeuge und Mitarbeitermobilität wurden unter den Aspekten ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit untersucht und miteinander in Verbindung gesetzt.

Die Diskussion zu möglichen Mitarbeiteranreizen auf der VDR-Tagung wurde in Form eines Rollenspiels gestaltet. Die Teilnehmer nahmen verschiedene strategische Positionen eines Unternehmen ein und diskutierten von den jeweiligen Standpunkten aus das Pro und Kontra konkreter Nudging- und Gamification-Beispiele aus der realen Praxis. 

 

Berlin:

Der Stipendiat der Humboldt-Stiftung berichtet

Stipendiat Anang Bagus Setiawan aus Indonesien

Stipendiat Anang Bagus Setiawan aus Indonesien

Anang Bagus Setiawan aus Indonesien ist Stipendiat des Programms “Internationaler Klimaschutz” der Humboldt-Stiftung. Bei atmosfair in Berlin arbeitete er zwölf Monate lang als Gastwissenschaftler.

Mein Forschungsthema ist die Optimierung von Biogasgewinnung aus häuslichem Abwasser in Indonesien. Bei atmosfair konnte ich praktische Erfahrungen in einem Forschungsteam sammeln.

Mir war es wichtig, Arbeitsabläufe und Atmosphäre kennenzulernen, Probleme zu lösen und mich mit Arbeitskollegen auszutauschen. Mein Aufenthalt bei atmosfair hat mein Wissen über Projekte zur CO₂-Kompensation enorm verbessert - und natürlich auch meine deutschen Sprachkenntnisse. Außerdem konnte ich Kontakte mit Experten in meinem zukünftigen Arbeitsfeld knüpfen und habe viel über praktischen Klimaschutz gelernt.

Im Mai 2016 habe ich mein Forschungsprojekt abgeschlossen. Ich kehre nun nach Indonesien zurück und werde dort eine NGO leiten, die das indonesische Ministerium für Energie und natürliche Ressourcen beim Ausbau erneuerbarer Energien unterstützt. Bis 2019 soll eine Gesamtleistung von 3,7 Gigawatt installiert werden.

Die Zeit bei atmosfair hat mir viel gebracht, ich bin dafür sehr dankbar. Ich kann nun mein Wissen und meine Kenntnisse an Projektentwickler, lokale Verwaltungen und andere Akteure weitergeben – und damit zum Aufbau einer klimafreundlichen Energieversorgung in meiner Heimat beitragen.

 

Ruanda:

Gesundheitsstudie im UNHCR-Flüchtlingscamp

Befragung von Ofennutzern im Flüchtlingscamp in Ruanda und Lungenfunktionstest im Flüchtlingscamp in Ruanda

Befragung von Ofennutzern im Flüchtlingscamp in Ruanda und Lungenfunktionstest im Flüchtlingscamp in Ruanda

Dr. med. Henning Kothe und Fernando Wolf stellen dem atmosfair Team Ihre Ergebnisse aus dem Flüchtlingscamp in Ruanda vor.

In unserem Newsletter vom Juni 2015 berichteten wir von dem Medizinstudenten Fernando Wolf, der im Auftrag von atmosfair in Ruanda war, um dort Lungenfunktionstests durchzuführen. Die Tests waren Teil einer Gesundheitssstudie, die atmosfair gemeinsam mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen sowie Ärzten der Universität Lübeck und des gemeinnützigen Vereins Buana aus Hamburg im Flüchtlingscamp Kiziba in Ruanda erstellt hat.

Die Studie sollte erstmals messbare Ergebnisse liefern, ob das Kochen auf offenem Feuer zu Krankheitsrisiken führt, die denen von lebenslangen Rauchern in den Industriestaaten entsprechen, wie etwa chronisch verengende Bronchitis (kurz COPD). Außerdem wurde untersucht, ob die Verwendung der Save80 Öfen zu einer messbaren Verbesserung der Lungengesundheit der Ofennutzer (meist Frauen) führt.

Im Frühjahr 2016 waren die Tests planmäßig abgeschlossen. Dr. Henning Kothe und Fernando Wolf besuchten atmosfair am 29.04.2016 in Berlin, um die Ergebnisse der Studie vorzustellen.