Zur CO2-Berechnung

Wie berechnet sich der atmosfair-Kompensationsbeitrag?

Hier gibt es zwei Komponenten, die zusammenfließen: Erstens die CO2-Emissionen auf einem Flug und zweitens die Kosten, um diese Menge in einem Klimaschutzprojekt einzusparen.

1. Die CO2-Emissionen auf einem Flug werden vom atmosfair Emissionsrechner berechnet. Dabei werden neben den reinen CO2-Emissionen auch andere Schadstoffe wie Stickoxide oder Rußpartikel einbezogen,  die neben dem CO2 das Klima erwärmen.  Aus diesem Grund liegen die Werte für eine Flugreise bei atmosfair meist höher als bei anderen Emissionsrechnern.
Der Emissionsrechner setzt einen Preis von 23 Euro pro Tonne Kohlendioxid an. Diese 23 Euro werden aktuell benötigt, um eine Tonne CO2 in hochwertigen Klimaschutzprojekten in Entwicklungsländern einzusparen. Ein Beispiel kann das Zustandekommen des Preises für die Einsparung einer Tonne CO2 illustrieren:

Auf Dächern in einer Außensiedlung von Cape Town in Südafrika wird das gesamte Warmwasser normalerweise mit Dieselkochern erhitzt. Dies ist emissionsintensiv und zudem teuer. atmosfair vereinbart mit einem Projektbetreiber in Südafrika die Installation von Solarpanels, die auf die Häuserdächer montiert werden und das Wasser direkt erhitzen. Für die Realisierung der 50 Anlagen bekommt der Betreiber die benötigten 23.000 € von atmosfair. In zehn Jahren vertraglicher Laufzeit sollen damit jährlich 40000 Liter Diesel und dem Klima so insgesamt 1000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) erspart werden. atmosfair kann mit 23.000 € also 1000 Tonnen CO2 in diesem Projekt einsparen. atmosfair schließt mit dem Projektbetreiber einen Vertrag, wonach dieser für eine nachweislich eingesparte Tonne CO2 einen Betrag von 23 € von atmosfair bekommt, und bezahlt die ersten 15.000 EUR als Vorschuss, damit der Betreiber das Projekt beginnen kann. Den Nachweis über die erfolgreiche CO2-Minderung muss ein zugelassener UN-Prüfer erbringen, der für Fehler haftet.
Dem Prinzip der Einsparung verursachter Emissionen an anderer Stelle liegt die ökonomische Erkenntnis zugrunde, dass es günstiger ist, Schäden zu vermeiden als zu reparieren. Anders gesagt: Wenn ein Sturm erst einmal eine Siedlung zerstört hat, dann sind die Kosten für den Wiederaufbau höher als die Kosten für eine Klimagasvermeidung, die den Sturm gar nicht erst aufkommen ließe. Der Emissionsbeitrag für einen Fernflug spiegelt also nicht die Kosten für die „Reparatur" des entstandenen Schadens am Klima wider, sondern den Betrag, der notwendig ist, diese Emissionen an anderer Stelle zu vermeiden.

Warum kosten auch die kürzesten Flüge immer mindestens 6 Euro?

atmosfair setzt für alle Flüge einen Mindestpreis von 6 Euro für einfache Flüge und 9 Euro für Hin- und Rückflüge an, damit das Thema „Flugverkehr und Klima" ernsthaft genommen wird.
Ein geringerer Beitrag würde suggerieren, Kurzstreckenflüge seien für die Umwelt unproblematisch. Das sind sie aber nicht, denn selbst ein Flug von Berlin nach München und zurück verursacht pro Passagier 300 kg CO2. Dies entspricht bereits dem dreifachen Jahresverbrauch eines Kühlschranks bzw. einem Siebtel des klimaverträglichen Jahresbudgets eines Menschen.
Zudem lassen sich gerade die Flüge über kurze Distanzen am einfachsten auf die Schiene verlagern. Um bei dem genannten Beispiel zu bleiben: Wer die Strecke Berlin – München mit dem ICE zurücklegt, verursacht auf Hin- und Rückweg nur etwa ein Fünftel (rund 60 kg) der anfallenden Flugemissionen!

Wieso rechnet der Emissionsrechner nur mit Kohlendioxid? Flugzeuge emittieren doch auch noch andere Klimaschadstoffe.

Kohlendioxid, Stickoxid, Ruß- und Schwefelpartikel sowie Wasserdampf aus Flugzeugtriebwerken beeinflussen das Klima unterschiedlich lange und intensiv. Da diese jedoch alle zusammen das Treibhausdach bilden, rechnet atmosfair sie näherungsweise in Kohlendioxid um.
In der Summe wirken die verschiedenen Emissionen in großen Flughöhen von mehr als neun Kilometern etwa dreimal so stark wie die des Kohlendioxid eines Fluges.
Um die Klimawirkung der gesamten Flugemissionen angemessen wiederzugeben, multipliziert der atmosfair Emissionsrechner deswegen die in Höhen von über  9 km emittierten CO2-Emissionen mit dem global gemittelten Faktor 3. Dieser Faktor ergibt sich, wenn das Global Warming Potential aller Non-CO2 Effekte über 100 Jahre integriert (UNFCC Konvention) und abdiskontiert wird (David Lee et al., „Transport impacts on atmosphere and climate: Aviation", in „atmospheric environment (44), 2010).

Wie berechnet sich das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen?

Um die globale Erwärmung des Klimas in verträglichen Grenzen zu halten (maximal 2°C Erwärmung), darf die Menschheit nur eine bestimmte Menge an Klimagasen produzieren. Würde man allen Menschen weltweit die gleichen Emissionsrechte an der Gesamtmenge der klimaverträglichen Emissionen zugestehen, dürfte jeder Mensch nur etwa 2.300 kg CO2 pro Jahr verursachen. Wer täglich etwa 30 km mit dem Auto zurücklegt, hat sein Jahresbudget mit einem Ausstoß von 2.000 kg CO2 also beinahe ausgeschöpft. Eine einzige Flugreise von Deutschland in die Karibik erzeugt auf Hin- und Rückflug sogar schon etwa 4.000 kg CO2! Hinzu kommen zudem die sich kumulierenden Emissionen aus Haushalt und Freizeitaktivitäten.

atmosfair setzt in der Vergleichsgrafik im Emissionsrechner aktuell eine Menge von 2.300 kg CO2 als klimaverträgliches Jahresbudget eines Menschen an. Diese Menge ist allerdings nur unter der Prämisse vertretbar, dass die Pro-Kopf-Emissionen mittelfristig erheblich gesenkt werden.

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WGBU) geht in seinen Berechnungen zur Erreichung des globalen 2°C-Zieles (Limitierung des Temperaturanstieges bis 2050 auf max. 2°C) von zwei unterschiedlichen Szenarien aus. Demnach liegt das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen zwischen 1,8t und 2,7t CO2. atmosfair geht langfristig von ca. 2.300 kg CO2 aus. (vgl. WBGU Sondergutachten 2009).

Von diesem Ziel sind die Industrieländer weit entfernt. Der Kohlendioxid-Ausstoß lag 2005 in den USA bei knapp 20 Tonnen pro Kopf im Jahr, in Deutschland bei 10,5 Tonnen und in China bereits bei 3,6 Tonnen (vgl. lpb Baden-Württemberg).

Sind Kurzstreckenflüge schädlicher als Langstreckenflüge?

Grundsätzlich gilt: Je länger ein Flug ist, desto schädlicher seine Wirkung auf das Klima. Denn für jeden Kilometer, der weiter geflogen wird, wird auch insgesamt mehr Treibstoff verbraucht und dadurch mehr Treibhausgase ausgestoßen. Wenn wir dagegen den relativen Verbrauch pro 100 Kilometer Flugstrecke betrachten, ändert sich das Verhältnis.

Einerseits bewegen sich Flugzeuge auf Kurzstreckenflügen bis zu etwa 400 – 600 Kilometern Distanz in niedrigen Luftschichten, in denen keine Kondensstreifen und Eiswolken entstehen. Auch die Ozonbildung aus Stickoxiden ist hier geringer als in Höhen ab etwa 9 Kilometern. Und schließlich sind die Kerosintanks eines Fliegers, der nur 500 Kilometer zurücklegen muss, viel leichter als bei einem Langstreckenflugzeug. Andererseits fällt der kerosinintensive Steigflug bei einem Kurzstreckenflug viel stärker ins Gewicht als bei einem Interkontinentalflug.
Detaillierte Informationen zum Thema „Distanzen" finden Sie in der Dokumentation des atmosfair Emissionsrechners.

Ist es entscheidend, ob ich mit einem Linien- oder Charterflieger reise?

In einem Charterflugzeug sitzen üblicherweise mehr Passagiere als in einer gleich großen Linienmaschine. Durch die höhere Auslastung der Chartermaschine verursacht ein Pauschalreisender in Relation zum Individualreisenden also eine geringere Klimabelastung.

Detaillierte Informationen zum Thema „Auslastung" finden Sie in der Dokumentation des atmosfair Emissionsrechners.

Wieso kann man Business oder Economy angeben? Macht das einen Unterschied?

In der Business-Class sind die Stühle breiter – folglich können hier weniger Menschen Platz nehmen als auf demselben Raum in der Economy-Class. Weil der Treibstoffverbrauch pro Person sinkt, wenn mehr Personen im Flieger sitzen, ist der atmosfair-Beitrag für einen Platz in der Business-Class durchschnittlich höher als der Emissionsbeitrag für einen Platz in der Economy-Class. Im Ergebnis spenden also die Economy-Class-Passagiere etwas weniger und die Business-Class-Passagiere etwas mehr als sich im Durchschnitt ergeben würde.

Detaillierte Informationen zum Thema „Flugklasse" finden Sie in der Dokumentation des atmosfair Emissionsrechners.

Muss ich den Flugzeugtyp kennen?

Je genauer die Flugdaten sind, die Sie in den Emissionsrechner eingeben, desto exakter können die entstehenden Pro-Kopf-Emissionen berechnet werden. Wenn Sie jedoch den Flugzeugtyp nicht wissen, kann der Emissionsbeitrag dennoch mit den atmosfair Näherungswerten berechnet werden. Diese kennen alle Flugzeugtypen, die auf einer Strecke fliegen und bilden daraus jeweils einen Mittelwert. Bei der Angabe des Flugzeugtyps ist  aber  die Berechnung natürlich exakter. Der Emissionsrechner hat die Verbrauchsdaten von allen Verkehrsflugzeugen gespeichert – damit wird der größte Teil des zivilen Luftverkehrs erfasst. Weil auf jeder Strecke nur jeweils bestimmte Modelle eingesetzt werden, setzt der Emissionsrechner aus ihnen ein virtuelles Durchschnittsflugzeug zusammen, das für die entsprechende Verbindung typisch ist.

Detaillierte Informationen zum Thema „Flugzeugtyp" finden Sie in der Dokumentation des atmosfair Emissionsrechners.

Wie genau sind die Ergebnisse des Emissionsrechners?

Klar ist: Berechnet werden kann nur der wahrscheinliche Ausstoß von Klimagasen eines Fluges. Muss das Flugzeug wegen Vereisung der Landebahn Warteschleifen drehen oder ist die Auslastung ausnahmsweise extrem hoch oder niedrig, so kann der Rechner dies nicht einkalkulieren. Insofern kann das Ergebnis des Emissionsrechners nicht so genau sein wie eine direkte Messung vor Ort. Doch seine Ergebnisse dürften der Realität aufgrund der Fülle und der Qualität des zugrunde gelegten Datenmaterials in der Regel gut entsprechen.

Eine Diskussion der Methoden- und Ergebnisgenauigkeit finden Sie in der Dokumentation des atmosfair Emissionsrechners.