EU-Emissionshandel

Ab 2012 müssen Fluggesellschaften, die von Flughäfen in der EU starten oder dort landen, für ihre CO2-Emissionen Berechtigungen vorweisen. Diese teilt ihnen die EU zu 85% auf Basis ihrer Emissionen im Jahr 2004–2006 kostenlos zu, zu 15% müssen sich die Fluggesellschaften diese ersteigern. So sieht es die Novellierung der EU-Emissionshandelsrichtlinie vor, die 2008 beschlossen wurde und als Neuerung den Flugverkehr in den Emissionshandel (ETS) einbezieht. Damit werden die CO2-Emissionen des Flugverkehrs zum ersten Mal EU-weit geregelt. Bis 2020 soll das Budget an zulässigen Berechtigungen für den Flugverkehr bei 95% des Niveaus von 2004–2006 bleiben. Da die CO2-Emissionen aus dem Flugverkehr bisher beständig wachsen, müssten die Fluggesellschaften dafür zukünftig die notwendigen Berechtigungen von anderen Unternehmen im Handelssystem kaufen, z.B. von den Stromproduzenten.

Leider hat auch die neue EU-Richtlinie aus Umweltsicht Schwachpunkte. Zum einen regelt sie nicht alle Treibhausgase, sondern nur die CO2-Emissionen, die derzeit nur etwa ein Drittel bis Hälfte der gesamten Treibhausbelastung durch Flugverkehr ausmachen (der Rest kommt über Wolkenbildung und Aufbau von Ozon in großen Flughöhen).

Zum anderen können die Fluggesellschaften etwa die Hälfte ihrer notwendigen CO2-Minderungsleistung durch Projekte in Entwicklungsländern erbringen, die nicht solchen Standards wie bei atmosfair genügen, insbesondere nicht dem Gold-Standard, der sicherstellt, dass das Projekt auch außerhalb des Klimas den Menschen vor Ort hilft.

2 EUR pro 1000 Kilometer

Rechnungen zeigen, dass bei dem derzeitigen Zertifikatspreis für Passagiere der Ticketpreis um ca. 2 EUR pro 1000 Kilometer Flugstrecke ansteigen dürfte. Das ist für die meisten Kurz- und Mittelstreckenflüge sogar weniger als die Luftverkehrsteuer (siehe oben).

Schwer wiegt auch die Unsicherheit der Zukunft des gesamten EU-ETS. Darin sind nur die CO2-Gesamtmengen geregelt, die bis 2020 zulässig sind. Diese Mengen wurden in den Jahren 2008 und 2009 deutlich unterschritten, weil durch die Rezession in der EU auch der Energieverbrauch der Industrie abnahm. Damit sanken auch die CO2-Emissionen, für die die Unternehmen im ETS Berechtigungen aufsparen können. Das bedeutet, dass je nach Erholung der Wirtschaft vielleicht bis 2015 oder auch danach die Unternehmen in der EU keine weiteren Klimaschutzanstrengungen mehr unternehmen müssen. Auch der Flugverkehr kann hiervon profitieren und günstig von anderen Sektoren die erforderlichen Berechtigungen für sein Wachstum kaufen.

Fazit atmosfair: Auch die Aufnahme des Flugverkehrs in den EU-Emissionshandel greift zu kurz, die Wirksamkeit wird von vielen äußeren Umständen beeinträchtigt.