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Neues Klimaschutzprogramm Flugverkehr der ICAO


Berlin, 06.10.2016

Montreal, Oktober 2016:  Über 190 Staaten haben heute in der internationalen zivilen Luftfahrtorganisation ICAO die Einführung eines Klimaschutzprogramms für die weltweite Luftfahrt beschlossen, das ab 2020 greifen soll. In dem Programm müssen zukünftig Fluggesellschaften den Anstieg ihrer CO2-Emissionen über das Niveau von 2020 hinaus auf bestimmten internationalen Flügen kompensieren.

atmosfair begrüßt, dass die Staaten endlich eine Maßnahme beschlossen haben, die ein erster Schritt der Luftfahrt auf einem Entwicklungspfad hin zu der Ambition des internationalen Klimaschutzabkommens von Paris 2015 sein kann, und die gleichzeitig der Luftverkehrswirtschaft genügend Freiräume erlaubt, selbstbestimmt, innovativ und ökonomisch tragfähig ihre Zukunft in die Hand zu nehmen.

Dabei bedauert atmosfair, dass das Programm deutlich hinter den Notwendigkeiten für das Erreichen des 2° C Klimaziels von Paris bleibt:

  • Mit den Ausnahmeregelungen für bestimmte Länder und Flüge werden von dem Abkommen weniger als 20% des weltweiten Luftverkehrs erfasst.
  • Nach einer freiwilligen Pilotphase greift das System erst in 10 Jahren (ab 2027) verbindlich.
  • Die seit 1999 mit dem ersten Sonderbericht des IPCC über Flugverkehr gut belegten Klimawirkungen von Non-CO2-Emissionen des Flugverkehrs  belasten das Klima stärker als die CO2-Emissionen, sind aber im Entwurf des Abkommens nicht geregelt (z.B. Kondensstreifen und Ozonbildung in großen Flughöhen).
  • Es fehlen in dem Entwurf Umweltintegritätskriterien, die festlegen, welche Aktivitäten oder Projekte für die CO2-Kompensation zugelassen werden sollen.

Mehr Klimaschutz ist möglich, schon heute

Dass eine weiterreichende Lösung technisch und ökonomisch machbar ist, zeigt das Beispiel atmosfair selbst: Bei atmosfair können Flüge schon heute zu 100% kompensiert werden, inkl. der Non-CO2-Emissionen, und das in Projekten, die von der UN zugelassen und zertifiziert sind und die neben dem Klimaschutz Menschen in Ländern des globalen Südens Zugang zu sauberen erneuerbaren Energien zu geringen Kosten ermöglichen. Große Firmen aus verschiedenen Branchen kompensieren schon heute freiwillig ihre Flüge mit atmosfair, genau wie die deutsche Bundesregierung und viele NGOS im In- und Ausland.

Zuletzt hat die ICAO die Chance nicht genutzt, mit der Luftverkehrswirtschaft eine Lösung vorzubereiten, die schon heute technisch vorhanden ist: Kerosin kann aus erneuerbarem Strom, Wasser und Kohlendioxid aus der Luft synthetisch hergestellt werden, ohne die Probleme von Biotreibstoffen und den Gefahren von Wasserstoff oder anderen Treibstoffen. Dies löst das CO2-Problem des Flugverkehrs vollständig, ohne die Flotten derzeitiger Flugzeuge umrüsten zu müssen.

Schon 1997 wurde im Kyoto-Protokoll die ICAO als verantwortliche Organisation für den Klimaschutz im Flugverkehr eingesetzt. Seitdem war auf dieser politischen Ebene wenig Fortschritt zu verzeichnen. Der jetzige ICAO Beschluss wäre der erste, der für den internationalen Flugverkehr signifikante Regelungen einführt.